Fotografie heute

Seitdem die Fotografie digital ist, wächst die Zahl der Kamerabesitzer ins unermessliche. Als ich ein Kind war, in den 1960ern, gab es pro Familie eine Kamera. So war das, und es hat gereicht. Man knipste zu familiären Anlässen oder im Urlaub, man tat es sparsam, denn ein Film mit 36 Bildern kostete richtig Geld, und das Entwickeln und die Abzüge erst recht. Jedes Foto war eine Entscheidung, und um zu sehen, ob diese Entscheidung richtig war, musste man eine Woche auf die Negative oder Dias warten. Eine faszinierende Zeit.

Heute hat der Normalmensch mindestens zwei Kameras (das wären damals in meiner Familie 14 Fotoapparate gewesen statt einem). Und dank moderner Hard- und Software fotografiert Otto Normalverbraucher mittlerweile auf einem technischen Niveau, das bis vor kurzem den Profis vorbehalten war. Mit Photoshop&Co sind wir zudem in der Lage, mit wenigen Klicks den Bildern Looks zu verpassen, für die früher hochbezahlte Spezialisten einen Tag oder mehr arbeiteten.

Schöne neue Welt? Klar, wir können uns kreativ austoben, fast ohne Kostendruck, und das ist schon wirklich geil, keine Frage.  Aber wer in den Online-Fotocommunities unterwegs ist und sich ab und zu kleine kritisch distanzierte Betrachtungen erlaubt, wird feststellen, dass die Form/der Look drauf und dran ist, den Inhalt nach und nach auszurotten.

Die Form war schon immer Feind des Inhalts, das ist nichts wirklich Neues. Neu ist in unserer digitalen Welt die Dimension, in der das stattfindet. 

Sabrina

Sabrina