Ich werde immer wieder gefragt, warum ich meine Bilder nicht schwarzweiss ausstelle, oder zumindest mit entsättigter Farbe, um so meinen künstlerischen Anspruch zu unterstreichen. Wie man es eben von "Kunst" gewohnt ist.  Ich antworte dann, dass die Welt und ihre Geschöpfe nunmal farbig sind, und ich sehr glücklich bin, diesen Reichtum mit meinen Augen sehen und fotografieren  zu dürfen. Ich erkenne wirklich keinen vernünftigen Grund, alle meine Bilder ihrer Farbe zu berauben und ihnen damit - in  meinen Augen - einen Teil ihrer Identität zu nehmen.
Die Reaktion darauf ist meistens ein verblüfftes "OK, stimmt eigentlich".
Woher aber kommt diese weitverbreitete Vorstellung, dass künstlerische Fotografie schwarzweiss oder zumindest entsättigt und zB in Sepia "getont" sein soll? Es ist - wie so oft im Leben - reines Marketing. Genauso, wie ein tiefergelegtes Auto zwar sportlicher aussieht, aber meist nur unkomfortabler und teurer ist als das Serienpendant, wirkt ein schwarzweisses Bild oft künstlerischer, ist aber eigentlich ärmer als das farbige Original. Denn die SW-Fotografie entstammt in ihrem Ursprung nicht einer künstlerischen Entscheidung, sondern schlicht einem Mangel.

Als die Fotografie erfunden wurde (das erste dauerhafte Bild stammt aus dem Jahr 1826), ging das nur in SW (korrekterweise sind es eigentlich Grauabstufungen zwischen Schwarz und Weiß, ich nenne es aber der Einfachheit halber und dem Volksmund folgend "SW"),